Bildungsketten: JmpA-Seminar

Jugendliche mit psychischen Auffälligkeiten in der Berufseinstiegsbegleitung (JmpA)

Am 14. Mai 2019 fand zum vierten Mal das "JmpA-Seminar" im Rahmen der Bildungsketten in Berlin statt. Das Seminarangebot „JmpA“ richtete sich an Berufseinstiegsbegleiter*innen, die im Rahmen ihrer Arbeit Jugendliche mit psychischen Auffälligkeiten begleiten.

Thematisiert wurden Störungsbilder, es gab Raum für Erfahrungsaustausch und kollegiale Beratung und es wurden Handlungsoptionen für die Alltagsgestaltung mit psychisch belasteten Jugendlichen vermittelt und erarbeitet. Fachlich unterstützt wurden die Teilnehmer*innen von Prof. Dr. Hubertus Adam, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie im Martin Gropius Krankenhaus in Eberswalde und Barbara Kunz, Kinder- und Jugendlichen Psychotherapeutin in Köln.

Die Anforderungen an die Jugendlichen sind enorm

Prof. Dr. Hubertus Adam stellte in seinem Input-Vortrag "Psychische Erkrankungen bei Jugendlichen und Adoleszenten – Ausbildung und Berufseinstieg" kurz das Martin Gropius Krankenhaus in Eberswalde samt der Handlungsfelder vor und verdeutlichte die Beratungsfunktion des Krankenhauses im Zusammenhang mit der Stiftung „Achtung Kinderseele“.

In Interaktion mit den anwesenden BerEbs betonte Prof. Dr. Adam, dass die Rolle eines BerEbs nicht sei die Jugendlichen zu diagnostizieren, sondern wenn nötig auffällige Symptome zu bemerken und richtig zu reagieren – also, sich durch Netzwerkpartner Unterstützung zu holen oder die Jugendlichen dementsprechend weiterzuleiten.

„Die Anforderungen an die Jugendlichen sind enorm. Wir müssen versuchen zu verstehen, was bei ihrer Entwicklung schief läuft bzw. schief gelaufen ist.“

Herr Prof. Dr. Adam ging auf einzelne Störungsbilder ein und erläuterte diese anhand von Beispielen aus der Praxis. Er klärte auf, welche Beweggründe sich hinter verschiedenen Krankheitsbildern verstecken könnten, und betonte, dass es wichtig sei zu versuchen Jugendliche zu verstehen, auch wenn ihr Verhalten auf den ersten Blick unverständlich wirkt. Besonders wichtig sei, dass man den roten Faden namens Bindung zu den Jugendlichen nicht verliere.

„Wenn Sie Symptome sehen, sprechen Sie die Jugendlichen direkt an.“

Im Anschluss erläuterte Prof. Dr. Adam Handlungsempfehlungen für die Arbeit mit psychisch auffälligen Jugendlichen und bezog sich dabei auf die Handlungsspielräume einer Kinder- und Jugendpsychiatrie. Anschließend stand Hr. Prof. Dr. Adam den BerEbs in einer offenen Fragerunde zur Verfügung.

„Vertrauen Sie auf Ihr eigenes Gespür – welches Verhalten ist normal und welches nicht. Wenn Sie sich unsicher sind, wenden Sie sich an Kollegen oder Psychologen.“

Störungsbilder in der Praxis

Das folgende Speed-World-Café diente dem individuellen Austausch zu den Störungsbildern psychisch auffälliger Jugendlicher – denn jeder geht mit Herausforderungen anders um!

Sowohl die Ressourcen, als auch die Strategien sollten den BerEbs die Vielfalt von Handlungs- und Lösungssträngen in schwierigen Situationen verdeutlichen.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang das „Netzwerken“. Der Aufbau eines Netzwerks, was für die BerEbs zu Beginn einen Mehraufwand bedeutet, wird später für deutliche Entlastung sorgen. Je mehr Ansprechpartner man hat, desto größer der Spielraum zum Handeln.

Um eine umfassende Wissensansammlung zu garantieren, wurden die Ergebnisse der Gruppenarbeit nach den jeweiligen Störungsbildern zusammengefasst und um die Ergebnisse des „JmpA“-Seminars des letzten Jahres (2018) angereichert. Auf Wunsch der Seminarteilnehmer*innen wurde am Seminartag das Störungsbild „Essstörungen“ thematisch durch „Schulschwänzern/Schulverweigerern“ ersetzt.
Die konkreten Ergebnisse finden Sie in der Gesamtdokumentation.

Selbstfürsorge: Besonders als BerEb wichtig

Frau Barbara Kunz, Psychotherapeutin, berichtete in ihrem Input-Vortrag „Sozialpädagogisches Denken und Handeln in der BerEb – damit ein Fall gelingt“ praxisbezogen von der Zusammenarbeit mit Jugendlichen und den Hürden, die dabei auftreten können.

Sie ging ihrem Vortrag auf Entwicklungsaufgaben und Herausforderungen der Adoleszenz, Risikofaktoren psychischer Erkrankungen, pädagogische Handlungskompetenz, Stolpersteine in der Kommunikation und Selbstfürsorge in der Praxis ein. Dabei betonte sie die Notwendigkeit professioneller Netzwerkarbeit und hob die Beziehungsarbeit als Schlüssel für die erfolgreiche Begleitung hervor.

„Jugendliche, die oft Ablehnung erfahren haben, können nicht damit umgehen, wenn jemand ihnen plötzlich helfen will und auf sie zugeht.“

Sie erklärte gängige „Copingstile“ (engl. für Bewältigungsstrategie) bei pubertierenden Jugendlichen und wie man mit diesen umgeht. Häufig sei das Verhalten der Teenager gegensätzlich zu ihrer eigentlichen Message. Frau Kunz zeigte anschließend Handlungsstrategien und –empfehlungen auf, die den „Copingstilen“ entgegen wirken. In diesem Zusammenhang betonte sie, wie wichtig die richtige Passung sei, d.h. ein richtiges Mittelmaß zwischen Kraft, Rhythmus und Zeit in der Kommunikation mit Jugendlichen.

Im Austausch mit den anwesenden BerEbs veranschaulichte Frau Kunz praxisbezogene Beispiele für die richtige Kommunikation mit psychisch auffälligen Jugendlichen. Dabei ging sie insbesondere auf geschlechterspezifische Unterschiede der Jugendlichen ein.

Anschließend machte Frau Kunz deutlich, wie wichtig es sei sich selbst zu schützen und durch beispielsweise kollegiale Unterstützung aktiv „Psycho Hygiene“ zu betreiben. Auch hier gab sie sowohl Handlungsempfehlungen und verwies auf Fachliteratur, die im Anhang der Dokumentation aufgelistet ist.

„Besonders für Sie als BerEbs ist die Selbstfürsorge sehr wichtig. Je leerer der persönliche Akku, desto länger dauert es ihn wieder aufzuladen."

Abschluss und Anschluss

Nach einem arbeitsintensiven Seminartag schloß Kerstin Preuß, JOBSTARTER Regionalbüro Ost, mit einem Dank an die Referent*innen und Teilnehmer*innen für ihr Engagement, Vertrauen und Durchhaltevermögen.

Im Rahmen der Initiative Bildungsketten finden jährlich verschiedene Seminare für Berufseinstiegsbegleiterinnen und -begleiter statt. Diese werden bundesweit mit Unterstützung der JOBSTARTER Regionalbüros organisiert und durchgeführt.
Das JOBSTARTER Regionalbüro Ost ist Ansprechpartner für BerEbs aus den neuen Bundesländern und Berlin. 

Protokoll und Fotos: Lea Sentner


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