Weiterbildungsinnovationstag 2018

Weiterbildung neu denken

Unter diesem Motto wurden beim ersten Weiterbildungsinnovationstag 2018 in Berlin Ansätze zur Umsetzung betrieblicher Weiterbildung aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Im Rahmen des Projektes "Weiterbildungsinnovatoren – Mehrwert durch zukunftsorientierte Weiterbildung (WB-INNO)" entwickelten die GEBIFO mbH und die Friedrich-Schiller-Universität Jena Ansätze betrieblicher Weiterbildung und erprobten diese in der Praxis. Ganz konkret konnten sich die Teilnhemer*innen des Weiterbildungsinnovationstag mit den vier Berliner Referenzunternehmen aus dem Projekt zu ihren Erfahrungen und Erkenntnissen mit der Gestaltung betrieblicher Lernprozesse austauschen.

Startschuss für Innovative Ansätze

Peter Albrecht, geschäftsführender Gesellschafter der GEBIFO mbH und Projektleiter in WB-INNO, begrüßte die Anwesenden herzlich im Showroom der Party Rent Berlin Mahnecke GmbH in Berlin.

Anschließend gab Dr. Michael Dörsam vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) einen Einblick in den Förderschwerpunkt in dem WB-INNO gefördert wurde: „Innovative Ansätze zukunftsorientierter beruflicher Weiterbildung“ (InnovatWB). Seit 2016 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit „InnovatWB“ die Entwicklung konzeptioneller Ansätze und Strategien für die Gestaltung eines zeitgemäßen beruflichen Weiterbildungssystems. Er bestätigte, dass aus Sicht der wissenschaftlichen und administrativen Begleitung des BIBB ist das Projekt WB-INNO „in den letzten drei Jahren gut gelaufen“, so Dörsam. 

Wandel der Arbeit: Digitalisierung und Arbeit 4.0 in Brandenburg

Anja Walter, Wirtschaftsförderung Land Brandenburg GmbH, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Brandenburger Fachkräftemonitoring im Team Fachkräfte in Clustern und Regionen. Sie stellte erste Ergebnisse und Erkenntnisse der Studie „Arbeit 4.0 in Brandenburg“ vor. Sie berichtete , dass ausgehend von den Annahmen, dass die Digitalisierung eher negative Veränderungen für die Unternehmen mit sich bringt, dass diese Annahmen sich im Verlauf der Studie umgekehrt und einen Perspektivwechsel bewirkt haben. „Die befragten Unternehmen wissen meist welche Weiterbildungsbedarfe sie haben.“, so Walter. Die Bedarfe liegen weniger in der Technik bzw. Anwendung der neuen Technologien, sondern eher in den Bereichen Prozesswissen, Kommunikation, eigenverantwortliches Handeln, Führung, Wissensweitergabe und Arbeitsorganisation.

*Realität* betrieblicher Weiterbildung in der Praxis

Manuela Zauritz (GEBIFO mbH) und Benjamin Möller (Friedrich-Schiller-Universität Jena) beleuchteten im Anschluss die Idee hinter dem Projekt WB-INNO und stellten Ergebnisse und Erkenntnisse aus der dreijährigen Projektlaufzeit vor.

Zu Beginn skizzierte Manuela Zauritz die Ausgangsthesen im Projekt WB-INNO und leitete dann zur zentralen Fragestellung im Projekt über: Wer kann in welchem Umfang Weiterbildungaufgaben in KMU übernehmen? Im Fokus des Projektes standen von Anfang an kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). Sie bilden das Rückgrat der Wirtschaft und verfügen meist über weniger Ressourcen für betriebliche Bildungsarbeit. Somit waren und sind wichtigste Partner im Projekt die vier Referenzbetriebe, mit denen Ansätze für eine zukunftsorientierte betriebliche Weiterbildung entwickelt und erprobt wurden. „Die Ausgliederung von Weiterbildung aus dem Geschäftsprozess ist nicht mehr zeitgemäß.“, betonte Zauritz. Aus diesem Grund stellt WB-INNO das Lernen im Prozess der Arbeit in den Mittelpunkt.

Im Anschluss präsentierte Benjamin Möller, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) Jena, die Projektergebnisse aus der Perspektive der Wissenschaft. Ziel der Untersuchungen des Verbundpartners war es, die Fragestellungen zum Projekt wissenschaftlich fundiert zu untersuchen. Einen Schwerpunkt legte die FSU auf die Betrachtung und Abbildung der jeweiligen Weiterbildungssituationen in den beteiligten Unternehmen. Einen weiteren Schwerpunkt legte die FSU auf die Erstellung eines Anforderungs- und Kompetenzprofils für potentielle Weiterbildungsinnovatoren. Benjamin Möller erläuterte das methodische Vorgehen und veranschaulichte die Komplexität der entstandenen Kompetenzmatrix für Weiterbildungsinnovatoren. Entwickelt wurde eine Kompetenzmatrix mit 310 Kompetenzindikatoren in 30 Kompetenzbereichen, die auf 4 Kompetenzniveaus verortet werden können. Die Kompetenzmatrix ermöglicht somit die Erstellung eines individuellen Profils für potentielle Weiterbildungsinnovatoren.

Soziale Innovation: Weiterbildungsinnovatoren

Peter Albrecht beschrieb den in WB-INNO entwickelten und erprobten Ansatz zur Etablierung von Weiterbildungsinnovatoren (WBI) in Unternehmen. Übergeordnetes Projektziel war die Entwicklung eines innovativen Ansatzes zur zukunftsorientierten Gestaltung betrieblicher Weiterbildung im Sinne einer sozialen Innovation. Bezugnehmend auf die Ausführungen von Benjamin Möller zu den Kompetenzen für potentielle Weiterbildungsinnovatoren, kristallisierte sich beim Vergleich der Soll-Profile von WBI mit denen „realer Mitarbeiter“ heraus, dass der „ideale“ Weiterbildungsinnovator so nicht in den KMU zu finden sein wird. Unter dem Begriff „Schwarmkompetenz“ beschrieb Peter Albrecht den Weiterbildungsinnovator als Konstrukt aus mehreren Personen mit unterschiedlichen Rollen und somit Kompetenzen. Albrecht betonte: „Weiterbildung ist keine Momentaufnahme, sondern ein Entwicklungsprozess, der nicht enden sollte.“ Die einzelnen Rollen verändern im Verlauf der Zusammenarbeit ihre Anteile – ohne jedoch gänzlich überflüssig zu werden. 

Urkundenübergabe und Würdigung der Weiterbildungsinnovatoren

Das gesamte Projektteam vom WB-INNO bedankte sich nochmal herzlich bei den Referenzunternehmen für ihre Projektbeteiligung und würdigte das mit einer feierlichen Urkundenübergabe an anwesende „Weiterbildungsinnovatoren“. Nach einer kurzen Laudatio von Manuela Zauritz zur Vorstellung der Referenzunternehmen und dem jeweiligen Weiterbildungsprojekt, übergab Peter Albrecht den anwesenden Unternehmensvertretern die Urkunden und Exemplare der Projektpublikation „Weiterbildung neu denken“.

Gestaltung betrieblicher Lernprozesse: Themeninseln

Nach der Mittagspause lud Manuela Zauritz die Anwesenden zum „Inselhopping“ ein. Die Veranstaltungsteilnehmer*innen hatten die Gelegenheit sieben Themeninseln zu Praxisbeispielen für die Gestaltung betrieblicher Lernprozesse zu besuchen. Die vorgestellten Themen basieren auf konkret im Rahmen von WB-INNO erarbeiteten und umgesetzten innerbetrieblichen Lernprozessen in den Referenzunternehmen. In drei 30-minütigen Durchgängen besuchten sie folgende Themeninseln:

  1. Digitalisierung
  2. Qualitätsmanagement
  3. KWP-Mentoren
  4. Datensicherung
  5. Gesundes Führen
  6. Wissen und Kompetenz
  7. Storytelling

Ausblick: Zukunftsorientierte Weiterbildung

Peter Albrecht lud nach der Kaffeepause zu einer Podiumsdiskussion zu Strukturen, Wünschen und Rahmenbedingungen zukunftsorientierter Weiterbildung ein. An der Diskussion beteiligten sich Vertreterinnen aus der Politik, Forschung und Wirtschaft. In ihren Statements beleuchteten die Referentinnen die Sichtweise und Funktion der (Landes-)Politk im Bezug auf die Umsetzung zukunftsfähiger Weiterbildungsangebote, aktuelle Forschungsergebnisse bezüglich der Beteiligung an Weiterbildung im europäischen Vergleich und die Herausforderungen im Bezug auf betriebliche Weiterbildungsprozesse sowie  einer sich wandelnden Arbeitswelt aus Unternehmersicht.

Abschließend bekräftigte Peter Albrecht, dass das vorhandene Personal den neuen Anforderungen gerecht werden kann, wenn der Nutzen von Veränderungen konkret herausgestellt wird. Das schafft Motivation und ebnet den Weg für die erfolgreiche Umsetzung innerbetrieblicher Veränderungsprozesse.

Zum Abschluss bestand die Möglichkeit zu einer kleinen Führung durch das Logistikzentrum und die hauseigenen Werkstätten des Veranstaltungsortes - der Party Rent Berlin Mahnecke GmbH, dem Berliner Standort des europaweit agierenden Eventausstatters.

 

Protokoll: Julia Bansen
Fotos: Lea Sentner und Charlot Meyer-Jantzen


Produkte

Weiterbildung neu denken.

Kompetenzmatrix Weiterbildungsinnovatoren

Soziale Innovation: Schwarmkompetenz

Zurück